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Mit Corinna Scherwath

Besuchskontakte und Rückkehroptionen im Kontext von Traumaforschung und Bindungstheorie

In der Begleitung und Fallzuständigkeit von Pflegekindern hat die Auseinandersetzung mit dem Thema: „Besuchskontakte und Rückkehroptionen“ eine große Bedeutung. Das Spannungsfeld zwischen Elternrecht und Kindeswohl, ebenso wie tradierte Bilder zur Bedeutung der Eltern-Kind-Bindung, bilden eine große Herausforderung. Aus trauma- und bindungssensibler Perspektive ergibt sich dabei jedoch immer wieder ein kritischer Blick auf die gängige Praxis.

Ein Großteil aller Kinder, die heute in Pflegeverhältnissen aufgenommen werden, sind von Traumatisierungen und Bindungsstörungen betroffen. Es handelt sich dabei um fundamentale Verletzungen – auch als „Entwicklungstraumata“ bezeichnet - die unter Bedingungen von gewaltvollen und/oder vernachlässigenden Atmosphären entstehen und den gesamten weiteren Entwicklungsverlauf des Kindes gefährden. Die Herausnahme eines Kindes soll normalerweise diese Gefährdung unterbrechen und für Sicherheit sorgen. Besuchskontakte und Rückkehroptionen führen vielfach jedoch dazu, das alte Verletzungen nicht heilen können, traumabasierte Symptomatiken der Kinder stets neu entfacht werden und die Entwicklungsverläufe der Kinder instabil bleiben.

Dieser Fachtag soll einem tieferen Verständnis für die Auswirkungen von traumatischen Erfahrungen dienen. Im ersten Teil des Tages wird die Bedeutung von Trauma und damit verbundenen Bindungsverletzungen, noch einmal fachtheoretisch - aus neurowissenschaftlicher und entwicklungspsychologischer Sicht - eingeordnet, um den traumasensiblen Blick in der Hilfeplanung zu schärfen. Im Anschluss sollen Kriterien aufgezeigt werden, die berücksichtigt werden müssten, um für biografisch verwundeten Kindern, nicht nur faktische Sicherheit, sondern ebenso emotionale Sicherheit – als Basis einer gesunden Entwicklung - zu gewährleisten. Es geht an diesem Tag nicht um eine juristische Auseinandersetzung mit dem Elternrecht, sondern um Überlegungen, was Kinder brauchen, die in ihren Herkunftsfamilien biografisch hochbelastet und seelisch tief verletzt wurden.

Die Veranstaltung findet überwiegend in Form eines Impulsvortrages statt, bei dem die Teilnehmer*innen die Möglichkeit haben inhaltlich Fragen zu stellen. Zwischendurch wird es kleine Austauschgruppen der Teilnehmer*innen in Form von Breakout-Sesshins geben.

Seminarleitung

Patrick Horber

Corinna Scherwath

 Dipl. Sozialpädagogin, Kinder-/Jugendtherapeutin, Erziehungsfamilienberaterin (bke), Fachberaterin für Psychotraumatologie Traumapädagogik (zptn). Begründerin und Leitung des Instituts für verstehensorientierte Pädagogik (IversoPad) Hamburg. Fachbuchautorin 

Kurstermine

Donnerstag, 22. Juni 2023

Von 9.00 Uhr bis 16.15 Uhr

Seminarort

Veranstaltung findet über Zoom statt.

Seminarkosten

Einzelpersonen: CHF 120.00

Anmeldung

Per E-Mail an:
Susanne Dobler
071 911 94 80

Anmeldefrist

Der Kursplatz wird nach Eingang der Anmeldung berücksichtigt.

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